Dialog zur Bioökonomie erfolgreich fortgeführt

Diskutanten bei der 2. Dialogveranstaltung des Bioökonomierates im Ludwig-Erhard-Zimmers des Gaffel Hauses Berlin.

16.12.2013 -

Zweiter Dialog des Bioökonomierates

„Im Spannungsfeld zwischen Industrie und Konsumenten“

Bürger fordern den Rat zu systemischer Betrachtung der biobasierten Wirtschaft auf.

Berlin, 3. Dezember – „Eine Bioökonomie, deren Produkte nicht nachgefragt werden, hat keine Chance.“ Christine Lang, Vorsitzende des Bioökonomierates und Biotechnologie-Unternehmerin, gab gleich zu Beginn des zweiten Dialogs zur Bioökonomie die Richtung vor. Nachdem auf der Auftaktveranstaltung am 1. September 2013 im Berliner Museum für Naturkunde Zukunftsszenarien entwickelt wurden, diskutierten 30 Teilnehmer am 3. Dezember im Gaffel-Haus in Berlin konkret über neue Produkte der Bioökonomie und mögliche Veränderungen im Konsumverhalten. Winterreifen aus Löwenzahn-Latex, Kleider aus Milchprotein oder Cremes mit biotechnologisch hergestellten Enzymen – in immer mehr Produkten finden sich Bausteine aus dem Werkzeugkasten der Natur, hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen. Noch sind viele von ihnen teurer als solche aus fossilen Rohstoffen. Dies trifft auch auf Produkte aus Bioplastik zu. Ihr Einsatz reduziert Klimagasemissionen. Verglichen mit konventionellen erdölbasierten Kunststoffen, die zur Zeit in wesentlich größeren Mengen hergestellt werden, schneiden die biologischen Produkte im Preisvergleich schlecht ab. „Hier braucht man gute Argumente“, sagte Ulrich Hamm, ebenfalls Mitglied im Bioökonomierat. Seit mehr als 30 Jahren erforscht er den Konsum von Öko-Produkten. Diese haben sich – trotz höheren Preises – am Markt etabliert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass bedeutende Verbrauchersegmente bereit sind, für Produkte mehr zu bezahlen, die ihnen einen Konsum ohne schlechtes Gewissen versprechen“, so Hamm. Die Bioökonomie befindet sich hier in einer besonderen Lage, denn nicht immer ist mit „Bio“ auch „Öko“ gemeint. Die verschiedenen Herstellungsprozesse sind komplex und nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Auf die Bioökonomie bezogen mangele es derzeit noch an passenden Informationsangeboten für Konsumenten. Diese müssen objektiv sein und gesellschaftliche Werte berücksichtigen, so Hamm. Befragungen hätten ergeben, dass Inhalte vor allem sachlich – und nicht emotional – transportiert werden müssten.
Dies bestätigten die Teilnehmer des Bürgerdialogs aus eigener Perspektive. Vorbehalte gegenüber neuen Produkten ließen sich nur durch umfassende Informationen überwinden, die einer objektiven Prüfung standhielten. Dafür müssten neue Werkzeuge wie etwa Zertifizierungsregeln entwickelt werden. Einen Wandel im Verbraucherverhalten herbeizuführen, sei eine schwierige gesellschaftliche Herausforderung. Änderungen des Konsumverhaltens – so die Mehrheit der Anwesenden – ließen sich nicht staatlich verordnen. Allerdings könnten entsprechende Siegel von staatlichen Stellen oder Nicht-Regierungsorganisationen als Wegweiser für Konsumenten dienen und Glaubwürdigkeitszweifel von Konsumenten am Nachhaltigkeitswert von neuen Produkten eindämmen. Produzentenverantwortung sei ein ebenso wichtiges Werkzeug, um die Anliegen der Bioökonomie glaubhaft und nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern. In den gesellschaftlichen Wandlungsprozess müssten verschiedene Gruppen wie z.B. Verbraucherverbände, Umweltschutzorganisationen oder Künstler einbezogen werden. Bildungsangebote sollten nicht nur für Erwachsene, sondern bereits auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sein. Hier biete sich die Einbeziehung von Lehrern beziehungsweise die Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien an. Gerade die Bioökonomie sei komplex und nicht alles, was auf den ersten Blick positiv erscheine, stelle letztlich eine zukunftsfähige Lösung dar. Dies habe sich etwa beim Thema Biosprit gezeigt. Ein Auto, das mit Löwenzahnreifen fährt, bleibt immer noch umweltschädlich, war zu hören. Die Teilnehmer forderten den Bioökonomierat daher auf, in die Zukunft zu schauen und die Bioökonomie als Wirtschaftssystem zu betrachten. Wissenschaftlich untermauerte Szenarien einer biobasierten Wirtschaft seien wertvolle Instrumente eines gesellschaftlichen Wandels. Hier möge sich der BioökonomieRat in seiner weiteren Arbeit engagieren, wurde ihm auf den Weg gegeben. 

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  • Dialogveranstaltung

    Dialog zur Bioökonomie


    Rund 80 Teilnehmer besuchten den „Dialog
    zur Bioökonomie“
    am 1. September 2013
    im Museum für Naturkunde in Berlin.


    Information und Auswertung...

Video zur Dialogveranstaltung

Teaser Biotechnologie.tv


Biotechnologie.tv berichtet in seiner 114. Folge unter anderem über den „Dialog zur Bioökonomie“.


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