Bioökonomierat und Bauernverband diskutieren zu Welternährung

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19.01.2016 -

Die Bioökonomie kann mit Innovationen und sektorübergreifenden Ansätzen einen wichtigen Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten, insbesondere zur Gesundheits- und Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung.

Dies ist das Ergebnis einer vom Bioökonomierat und Bauernverband (DBV) organisierten Veranstaltung am Rande der Grünen Woche (15. bis 24. Januar 2016, Berlin). Bei der Podiumsdiskussion am 18.1. mit Folkhard Isermeyer, Mitglied des Bioökonomierates und Präsident des Thünen-Institutes, Gunther Beger, Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken wurde deutlich, dass die globalen Herausforderungen der Ernährungssicherung nur interdisziplinär und in internationaler Zusammenarbeit gelöst werden können. Europas Agrarwirtschaft und -forschung kommt dabei eine zentrale Rolle zu.

Die Zahl der Hungernden auf der Welt hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich reduziert, jedoch leiden immer noch mehr als  800 Millionen Menschen an Unterernährung. Eine noch größere Zahl gilt als mangelernährt. Die Hungerbekämpfung bleibe auch in Zukunft das Thema Nummer 1 auf der Agenda der Weltgemeinschaft, so BMZ-Abteilungsleiter Beger. In den nächsten Jahrzehnten werde die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln weiter ansteigen, betonte Isermeyer als Vertreter des Bioökonomierates. Dies sei eine besondere Herausforderung, da einerseits die weltweiten Anbauflächen kaum ausgeweitet werden könnten und andererseits erneuerbare Rohstoffe zunehmend in der Energiewirtschaft und der Industrie eingesetzt würden.

Die Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelversorgung hat aus Sicht der Diskutanten höchste Priorität. Aus klima- und umweltpolitischen Gründen müsse aber auch die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen für Energie- und Industriezwecke weiter fest im Blick bleiben. Im Kern wurden drei Ansätze diskutiert. Erstens müsse die Verschwendung drastisch reduziert werden. Derzeit würden rd. 30% der produzierten Lebensmittel nicht genutzt, mahnte Beger. Zweitens müsse die Erzeugung und Verarbeitung von Agrarrohstoffen effizienter werden. Allein durch die Anwendung verbesserter landwirtschaftlicher Praktiken seien erhebliche Ertragssteigerungen in den Entwicklungsländern zu erreichen. Isermeyer betonte die Notwendigkeit, die vorhandenen Rohstoffe optimal zu nutzen. Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sollten aus einem Rohstoff durch Kuppel- und Kaskadennutzungen verschiedene Endprodukte gewonnen werden. Generalsekretär Krüsken brachte es mit der Formel „aus weniger mehr machen“ auf den Punkt. Drittens seien grundlegende technologische und soziale Innovationen notwendig, um die landwirtschaftlichen Erträge unter Einfluss des fortschreitenden Klimawandels zu steigern. Neben einer Intensivierung der Forschungsförderung sei auch ein offener Dialog mit den Landwirten und der Bevölkerung wichtig. Angesichts der vielfältigen Optimierungsmöglichkeiten auf dem Weg zu mehr Ressourceneffizienz sei die „Teller und Tank-Diskussion“ eine Debatte von gestern, so Krüsken. Die Zukunft gelte der interdisziplinären Bioökonomie.

Die Diskussionsteilnehmer waren sich auch darin einig, dass die Lösung des Hungerproblems in den Entwicklungsländern zwingend eine verantwortungsvolle Regierungsführung und die Beilegung von kriegerischen Auseinandersetzungen bedinge. Klare Besitzverhältnisse, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln sowie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren, seien wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Land- und Agrarwirtschaft. Das BMZ unterstützt derzeit in einer Reihe von Entwicklungsländern den Aufbau von bäuerlichen Selbsthilfeorganisationen. Auch der Deutsche Bauernverband und die Andreas Hermes Akademie bringen dabei ihr Wissen ein.

Hintergrund:
Der Bioökonomierat definiert die Bioökonomie als die wissensbasierte Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen, um Produkte und Dienstleistungen im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen. Die Bioökonomie basiert auf den Erkenntnissen der Lebenswissenschaften und umfasst eine Vielzahl von Wirtschaftssektoren wie Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur, Industrie (Energie, Nahrungsmittel, Holz, Bau, Leder, Textil, Chemie und Pharma) bis hin zu Dienstleistungen (u. a. IKT, Design, Architektur). Der ganzheitliche und interdisziplinäre Ansatz der Bioökonomie ist ein neuer Blickwinkel, der auch in der Forschungspolitik stärker gefördert wird. Der Bioökonomierat ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Bundesregierung in ihrer forschungspolitischen Ausrichtung für den Wandel zu einer biobasierten Wirtschaft berät.

Bildunterschrift:
(v. l. n. r.) Helena Felixberger, Moderatorin; Folkhard Isermeyer, Mitglied des Bioökonomierates und Präsident des Thünen-Institutes; Gunther Beger, Abteilungsleiter im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken

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