Die Bioökonomie wird vermehrt von Bund und Ländern getragen

24.05.2017 -

Zahlreiche Bundesländer fördern die Entwicklung der Bioökonomie mit eigenen Programmen und Initiativen. Politik- und Wissenschaftsvertreter von zehn Bundesländern trafen sich auf Einladung des Bioökonomierates in Berlin. Länderspezifische Bioökonomiestrategien, regionale und länderübergreifende Forschungsverbünde sowie der gesellschaftliche Dialog standen dabei im Zentrum.
Dabei wird deutlich: Die Bioökonomie in Deutschland ist durch das Netzwerk der nationalen und regionalen Initiativen bereits recht stark, aber verbesserte Abstimmung ist erforderlich.

In seinen jüngsten Empfehlungen zur Weiterentwicklung der „Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ regte der Bioökonomierat die Einrichtung einer Bioökonomie-Plattform in Deutschland an. „Vor allem in Fragen der Ausbildung und Forschungsförderung ist die Wahrnehmung sowohl von Bundes- als auch Länderaktivitäten wichtig, um biobasierte Innovationen erfolgreich auf den Weg zu bringen“, betont Prof. Christine Lang, Kovorsitzende des Rates. In diesem Sinne initiierte der Rat ein erstes Treffen in Berlin. Wissenschafts- und Politikvertreter aus zehn Bundesländern folgten der Einladung sowie Vertreter von fünf Bundesministerien.

Die Teilnehmer berichteten von den stetig zunehmenden Bioökonomie-Aktivitäten auf Landes- und Kommunalebene. Dabei reicht die Bandbreite von Veranstaltungsreihen im universitären Umfeld bis hin zu Landesstrategien zur Bioökonomie mit erheblichen Investitionen sowie eigens eingerichteten Referaten in den Ministerien. Bayern etwa hat – wie auf Bundesebene – eine interministerielle Arbeitsgruppe und einen Sachverständigenrat Bioökonomie ins Leben gerufen. Hohe Investitionen fließen in den Biocampus-Straubing. Sachsen-Anhalt bündelt seine wissenschaftliche Expertise im Spitzencluster BioEconomy. Baden-Württemberg verfügt über eine eigene Forschungsstrategie, deren Projekte von einer Geschäftsstelle an der Universität Hohenheim betreut werden. Dort bildet man auch junge Menschen im weltweit ersten internationalen Bioeconomy-Masterstudiengang aus. In Nordrhein-Westfalen ist neben dem interdisziplinären BioScience Centre in Jülich mit hunderten von vernetzten Wissenschaftlern, ein Bioökonomie-Cluster der ersten Stunde, CLIB2021, aktiv. Die Region Berlin-Brandenburg unterstützt insbesondere die Materialforschung und die Biotechunternehmen der Bioökonomie. In Hessen untermauert ein Positionspapier die hohe Bedeutung der wissensbasierten Bioökonomie für die Wirtschaftskraft im Land. Ein neues Zentrum für Insektenbiotechnologie wurde 2014 in Gießen eingerichtet. In Mecklenburg-Vorpommern wird in Greifswald in Forschungs- und Gründerzentren investiert. In Niedersachsen ist die Bioökonomie ein Pfeiler der regionalen Innovationsstrategie, mit einem Kompetenzzentrum zur Ernährungswirtschaft. „Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement und Einfallsreichtum die Bioökonomie auch in den Bundesländern konkrete Formen annimmt. Es ist nun an der Zeit, eine deutsche Bioökonomieplattform zu schaffen, zunächst in virtueller Form, damit die deutsche Bioökonomie noch schlagkräftiger wird“, sagt Prof. Joachim von Braun, Kovorsitzender des Bioökonomierates.

Die Teilnehmer betonten neben dem Wunsch nach einer intensiveren Zusammenarbeit im Bereich der Forschungsförderung und Ausbildung ebenso die hohe Bedeutung der gesellschaftlichen Einbindung. Die Verstetigung einer biobasierten Wirtschaftsweise könne man nicht allein durch einen Top-down-Ansatz erreichen. „Wir brauchen die Einbindung des Bürgers auf allen Ebenen. Wir brauchen ihn als mündigen Konsumenten, der biobasierte Produkte nachfragt; als kritischen Diskussionsteilnehmer, der Entscheidungen lenkt und mitträgt, und als kreativen Geist, der Bioökonomie mit Leben füllt“, so Prof. Lang.  Regelmäßige Treffen in Form von länderübergreifenden Konferenzen und die Etablierung einer gemeinsamen Informationsplattform sollen die Basis für eine regionale Bioökonomiegestaltung bilden.

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