Was ist Bioökonomie?

Der Bioökonomierat versteht die Bioökonomie als wichtiges Element des gesellschaftlichen Wandels zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Die Bioökonomie wird definiert als die Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen (auch Wissen), um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen.

Bioökonomie

Die Natur hat dem Menschen schon immer alles gegeben, was er zum Leben brauchte. Und biobasiert war das Wirtschaften mit natürlich nachwachsenden Rohstoffen wie Holz jahrtausendelang – wenn auch oft zu Lasten der Natur.

Heute versteht die menschliche Gesellschaft die natürlichen Kreisläufe besser. Um die Natur und die wichtigen Ressourcen zu erhalten, muss sie sich in Zukunft nachhaltiger und ökonomisch – eben bioökonomisch – verhalten.

Bioökonomisch zu denken heißt, die Kreisläufe der Natur zu kennen und für die Energiewirtschaft, die Nahrungsmittel-, Papier- und Textilindustrie oder auch Chemie und Pharmazie nicht nur zu nutzen, sondern auch im Sinne von Umwelt- und Ressourcenschutz zu erhalten. Das erfordert Bioökonomie-Forschung für Innovation.

Bioökonomisch ist es zum Beispiel, Mikroorganismen Stoffe für den Haushalt oder die Industrie produzieren zu lassen. Energiereiche sowie klima- und umweltschädliche Herstellungsprozesse können so ersetzt werden. Bioökonomisch ist es auch, mit Hilfe von Mikroorganismen Biopharmaka wie Insulin herzustellen und damit vielen Menschen zu Lebensqualität, Schmerzlinderung oder Heilung zu verhelfen.

Ein neuer Wirtschaftszweig ist die Bioökonomie hingegen nicht. Vielmehr ist sie ein Zeugnis des Umdenkprozesses, der in vielen Industrien und wirtschaftlichen Sektoren bereits in vollem Gange ist. Mal werden einzelne, chemisch produzierte Stoffe durch biologische Alternativen ersetzt, um Umweltschutzauflagen zu erfüllen. Mal wird die Nachfrage nach naturverträglichen Produkten bedient, etwa wenn Lego-Bausteine nicht mehr aus erdölbasiertem Plastik hergestellt werden müssen.

Der Wandel zu einer solch „grüneren Wirtschaft“, einer nachhaltigen Bioökonomie, ist nicht möglich ohne politische Weichenstellungen. Es braucht Anreize, um Unternehmern die langfristigen Vorteile bioökonomischen Wirtschaftens näher zu bringen und Verbrauchern die Notwendigkeit nachhaltigen Konsums. Dieses Ziel lässt sich nicht alleine durch neue, attraktive Produkte erreichen. Verhaltensänderungen sind nötig – womit nicht nur Verzicht auf bioökonomisch schädliche Produkte gemeint ist, sondern vor allem Kreativität und gesellschaftliches Engagement für neue Ideen, die die Natur nicht mehr ausnutzen, sondern erhalten und als Quelle für ein gesundes Leben dieser und künftiger Generationen schützen wollen.

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Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten kann die Bioökonomie einen wichtigen Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten. Darunter fallen die Gesundheit und Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, deren nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln, Energie, Wasser und Rohstoffen sowie der Bodenschutz und der Klima- und Umweltschutz.

Deutschland stellt inzwischen entscheidende Weichen auf dem Weg zu einer biobasierten Wirtschaft, die sich an natürlichen Stoffkreisläufen orientiert. Das Ziel der Bundesregierung ist es, mit Forschung und Innovation einen Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu ermöglichen. Dieser Wandel ist mit Veränderungen, aber auch mit großen Chancen für Wachstum und Beschäftigung verbunden.

Die Lebenswissenschaften und Biotechnologien spielen in der Bioökonomie eine Schlüsselrolle.  Denn das Wissen um biologische Vorgänge und deren gezielte Nutzung  markiert den Anfang einer revolutionären Entwicklung in der Technik. Biologisierung der Wirtschaft wird ähnlich wie die Digitalisierung einen tiefgreifenden Wandel in allen Bereichen der Gesellschaft und der Industrie auslösen. In der Medizin ermöglichen beispielsweise Arzneien, die mit Hilfe der Biotechnologie entwickelt und hergestellt werden, bereits heute neue Heilungs- und Behandlungschancen bei Krebs und Immunerkrankungen. Innerhalb weniger Jahre konnten sie einen Marktanteil von 20 % erzielen.