Nobelpreise für Bioökonomie-Forschung

Bioökonomierat begrüßt die Auszeichnungen für Klimaökonomie und grüne Chemie

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12.10.2018 -

Bioökonomie, Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben es bei den Nobelpreisen 2018 auf die große Bühne geschafft. Im Bereich Wirtschaft wurde ein Modell prämiert, das die Kosten des Klimawandels einrechnet und eine CO2-Steuer vorsieht. Der Chemie-Nobelpreis ging an eine Enzymforscherin und Pionierin der grünen Chemie.

„Durchbrüche in den Lebenswissenschaften und die Notwendigkeit post-fossiler Produktion sind seit Jahren der Motor einer fortschreitenden Biologisierung moderner Volkswirtschaften“, sagt Prof. Dr. Joachim von Braun, Kovorsitzender des Bioökonomierates. Wegweisende Forschung zu diesen Themen wird mit den diesjährigen Nobelpreisen gewürdigt.

Es scheint, als kämen die Auszeichnungen genau zum richtigen Zeitpunkt. Am Morgen veröffentlichte der Internationale Weltklimarat (IPCC) sein Sondergutachten zum Klimawandel. Darin warnen die Experten vor den verheerenden Folgen des bisher ungebremsten Klimawandels. Sie fordern die globale Gemeinschaft auf, umgehend stärkere Maßnahmen für den Klimaschutz zu ergreifen. Am Abend folgte die Nobelpreisverleihung für Wirtschaftswissenschaften. Die Jury prämierte den Klimaökonomen William Nordhaus (Universität Yale, USA) und den Innovationsökonomen Paul Romer (Stern School of Business in New York, USA). Mit ihren Modellen lässt sich das Zusammenspiel von Marktwirtschaft, Innovationen und Umweltwirkungen analysieren und beschreiben. Auch der aktuelle IPCC-Bericht verwendet das DICE-Modell von Nordhaus, um etwa die Auswirkungen einer CO2-Steuer für einzelne Sektoren zu bestimmen.

Prof. Dr. Christine Lang, Kovorsitzende des Rates, sieht insbesondere in Innovationen eine große Chance für den Klimaschutz: „Das Potential der Bioökonomie ist in der Chemieindustrie besonders groß. Mit Hilfe der Biotechnologie können anspruchsvolle Materialien umweltfreundlich hergestellt und Prozesse durch den Einsatz von Enzymen energieeffizient gestaltet werden. Aber die Natur bietet noch weitaus mehr Inspiration, die Chemie ganz neu zu denken und viel nachhaltiger zu wirtschaften.“ Die Nobelpreisträger für Chemie bringen dies mit ihren Arbeiten einmal mehr zum Ausdruck: Francis Arnold, Professorin am California Institute of Technology (USA), hat nach dem Vorbild der Evolution eine Methode entwickelt, mit der man Enzyme passgenau für ein Einsatzgebiet verändern kann. Auf diese Weise können etwa biobasierte Medikamente oder Biokraftstoffe aus Zuckermolekülen wirtschaftlich hergestellt werden. Arnold teilt sich den Preis mit ihren US-Kollegen Gregory Winter (MRC Laborytory of Molecular Biology) und Georg Smith (University of Missouri). Sie entwickelten die sogenannte Phagen-Display-Technik weiter. Mit ihr lassen sich Antikörper mit speziellen Eigenschaften zur Herstellung von neuen Medikamenten erzeugen. Hiervon profitieren insbesondere Menschen mit bestimmten Krebs- oder Autoimmunkrankheiten.

Termine der Ratsmitglieder


Fachsymposium Naro.tech 2018
22. November 2018, Rudolstadt
Prof. Dr. Christine Lang wird bei dem Fachsymposium zur stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe zu den Chancen der NawaRo für die Bioökonomie sprechen.

Präsentationen vorheriger Veranstaltungen

--> Bioökonomie: nachhaltig und kreislauforientiert (...), 7.11.2018, Präsentation Prof. Dr. Daniel Barben
--> Jahreskongress Biotechnologie 2020+, 4.10.2018, Präsentation Prof. Dr. Christine Lang
--> Herrenhäuser Forum
, 11.9.2018, Präsentation Prof. Dr. Christine Lang
--> Bionnale 2018
, 20.6.2018, Präsentation Prof. Dr. Christine Lang
--> Greifswald Research Award, 3.5.2018, Präsentation Prof. Dr. Christine Lang
--> Bioökonomie Statuskonferenz in Berlin
, 20.3.2018, Präsentation Prof. Dr. Joachim von Braun